Was führt den Pilger dieser Erde… In dem in Niederschlesien gern gesungenen Kirchenlied werden einige Ziele von Pilger-Wanderreisen genannt. Das Ziel unserer dritten Pilgerreise in diesem Jahr, die uns am 18. September nach Zlate Hory (Zuckmantel) führte, waren Danksagungen, Bitten und offene Herzen für das in der Maria-Hilf-Kirche verkündete Wort Gottes. Die im Innenhof der Kirche versammelten Pilger aus Polen, Deutschland und Tschechien verband die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft im Glauben. Bereits das 26. Mal nach dem Wiederaufbau der Pilgerstätte kam diese Wallfahrt der Nationen zustande, aber die Wurzeln der Pilgerbewegung zu diesem Ort reichen bis ins Jahr 1718 zurück.

Pfarrer Tarlinski und Pfarrer Jończyk bereiteten die Pilger mit Gebeten und Gesang auf die Eucharistiefeier vor. Das Hochamt hielten Weihbischof Martin David aus Ostrau-Troppau und Bischof Rudolf Pierskała aus Oppeln zusammen mit mehreren polnischen und tschechischen Geistlichen, darunter auch Pater Arndt aus Breslau, dem Seelsorger der deutschen Minderheit in Niederschlesien. Gemeinsam sang und betete man in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache.

Das Motto der 26. Wallfahrt der Nationen war – Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch: nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht (Joh 14,27). Beide Bischöfe knüpften in ihren Ansprachen an diese Bibelstelle an.

Bischof Martin David, der Prediger während des Hochamtes, erinnerte an das Schicksal Pfarrer Richard Henkes, der im Konzentrationslager Dachau umgekommen ist. Vor dem Zweiten Weltkrieg ist er in Schlesien tätig gewesen. Nach seiner offenen Kritik am Nationalsozialismus ist er an seinem Wirkungsort Branitz (Branice) verhaftet worden.

Während der Typhus-Epidemie 1945 im KZ Dachau ging Pater Richard Henkes freiwillig in den Quarantäne-Bereich zu seinen todkranken Mitgefangenen. Er infizierte sich und erlag der Krankheit. Am 15. September 2019 ist Richard Henkes im Dom zu Limburg seliggesprochen worden. „Er fürchtete sich nicht, die Wahrheit zu sagen, auch wenn ihn dies das Leben gekostet hat“, sagte Bischof Martin David. „Von Pfarrer Henkes können wir lernen, dass wir uns auch in schwieriger Lage nicht fürchten sollten, die Wahrheit zu sagen.“ Die Homilie schloss der tschechische Bischof mit dem Gebet für den Frieden des hl. Franz von Assisi. Die hl. Messe endete mit der Danksagung „Großer Gott, wir loben dich“, die inbrünstig von allen Pilgern in drei Sprachen gesungen wurde.

Während der Pause, in der das Blasorchester aus Kotulin ein kleines Konzert gab, wurden die Breslauer Pilger von Frau Monika Wittek mit einer kräftigen, warmen Suppe bewirtet, wofür wir bei diesem zwar sonnigen, aber kalten Tag sehr dankbar waren.

Um 14.00 Uhr konnten wir gemeinsam die Andacht zu Ehren der Gottesmutter Maria und des Seligen Richard Henkes feiern. Hauptzelebrant war Bischof Martin David und die Predigt hielt Bischof Rudolf Pierskała.

Der Oppelner Bischof bezog sich auch auf den Seligen Richard Henkes, der eine Gabe hatte die Menschen dadurch für Gott zu gewinnen, indem er seine Gebote hielt und die Wahrheit verkündete. Der Prediger wies darauf hin, dass Kriege nicht nur zwischen Ländern stattfinden, sondern auch in den Familien. Den wahren Frieden gibt nur Jesus und deswegen findet man nur dort, wo gegenseitige Liebe und Güte herrscht, den lebendigen Gott. Wir sollten den Mut haben darüber zu sprechen, so wie Henkes, sagte abschließend Bischof Pierskała.

Die Wallfahrt endete mit der Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments und zum Abschied wurde das Lied „Segne o Maria“ deutsch, polnisch und tschechisch gesungen.

Auf dem Heimweg konnten wir die Berglandschaft, die den Wallfahrtsort umgibt, bewundern. In Ziegenhals machten wir Halt, denn das sonnige Wetter erlaubte uns noch die Heilanstalt Skowronek, das ehemalige „Ferdinandsbad“, wo man Wasseranwendungen zum Heilen vielerlei Erkrankungen einsetzte, zu besichtigen.

1919, nach einer großen Flut, kam der Besitz dank den Bemühungen des Pfarrers Ludwig Skowronek, des Autors des Gesangbuches „Weg zum Himmel”, in die Hände der Ursulinerinnen, die hier eine Haushaltsschule und ein Kloster errichteten. Heute gehört der Besitz der Caritas der Oppelner Diözese.

Nachdem wir zu Hause angekommen waren, begann es in Strömen zu regnen und wir dankten Gott, dass wir diesen eindrucksvollen Tag im Trockenen verbringen durften.

Bernadeta Szyszka

Die Predigt vom Weihbischof Martin David aus Ostrau-Troppau

Überbringer des Friedens (Joh 14,21-27)

Die Worte der biblischen Lesungen, insbesondere des Evangeliums, die vom Frieden sprechen, sprechen uns auf unserem heutigen Pilgerweg sehr an. „Den Frieden lasse ich bei euch, meinen Frieden gebe ich euch…” Viele Menschen, sowohl in der Tschechischen Republik als auch in Polen, blicken derzeit mit Angst und Unbehagen in eine sehr ungewisse Zukunft.  Jeden Tag hören wir Nachrichten über den Krieg in der Ukraine, die Energiekrise, die Inflation und hohe Preise für alles, insbesondere für Energie. Das ist die Realität. Wieder einmal verlieren wir unsere Gewissheiten, die Annehmlichkeiten, an die wir uns gewöhnt haben. Wir wollen das nicht akzeptieren und suchen nach den Schuldigen. [Es ist Putins Schuld, es ist die Schuld der Ukrainer, es ist die Schuld einer Regierung, die sich nicht um uns kümmert. – Marians Vorschlag: weglassen]

Diese Krise bringt uns wieder einmal an einen imaginären Scheideweg, von dem aus wir in zwei Richtungen gehen können. Auf der einen Seite können wir zu mehr Egoismus und Individualismus übergehen. Im Sinne von „Ich will gesund sein! Ich habe das Recht, gesund zu sein, ohne Rücksicht auf andere”. Oder wir können den Weg der gemeinsamen Hilfe beschreiten und uns fragen, wie wir diese schwierige Zeit gemeinsam durchstehen können.

Für uns Gläubige gibt es jedoch noch eine weitere entscheidende Richtung in der Krise. Eine Anweisung an Gott. Jede Krise, jedes Kreuz, ist immer wieder eine Gelegenheit, sich neu daran zu erinnern, wer unsere grundlegende Sicherheit und der Fixpunkt unseres Lebens ist. Ist es Gott? Haben wir das vergessen? Wir sind eingeladen, all diese Anliegen im Gebet vor Gott zu bringen. Tun wir das? Wir sollen in dem Glauben wachsen, dass der Lauf der Geschichte und das Leben eines jeden von uns in Gott verwurzelt ist, der immer mit seinem Volk durch schwierige Zeiten in der Geschichte geht und Frieden und Nähe in Zeiten der Furcht und Angst bietet.

Vor zwei Tagen haben wir in der ganzen Kirche das Gedenken an die Schmerzensmutter gefeiert. In unserer Diözese gibt es sogar einen ihr gewidmeten Wallfahrtsort bei Krnov in Cvilin. Die Überlieferung zählt sieben Schmerzen der Mutter Gottes auf. Es ist möglich, dass es noch mehr Situationen gab, in denen sie Schmerzen in ihrem Herzen spürte. Aber es ist eigentlich egal, wie viele sie hatte, selbst wenn es nur sieben waren, wichtig ist, dass sie immer eine Hoffnung hatte. Sie hörte nie auf zu hoffen, dass Gott alles in seiner Hand und in seiner Macht hat. Wie viele Schmerzen wir berechnen könnten. Vielleicht mehr als sieben? Und obwohl wir viele Schmerzen haben, haben wir, wie Maria, eine Hoffnung. Wir haben Hoffnung auf Gott. Und aus dieser Hoffnung erwächst Frieden. Nicht die, die die Welt gibt (Joh 14,27). Der Friede Christi ist der Friede derer, die auf Gott vertrauen und ihre Hoffnung auf Gott setzen.

Für diese Hoffnung und diesen Frieden sollen wir Zeugnis ablegen. Es ist sehr einfach, Unruhe zu stiften, und deshalb tun es viele Menschen. Unser Auftrag ist es, Träger von Hoffnung und Frieden zu sein. Das ist unsere Aufgabe. Daran hat uns der verstorbene Bischof F.V. Lobkowicz oft erinnert. Als Jünger Christi sind wir alle aufgerufen, Träger des Friedens und der Überzeugung zu sein, dass wir diese Phase der Geschichte überstehen können, wenn wir offen füreinander sind. In vielen schwierigen Situationen, in denen Kriege und Krisen aller Art herrschten, waren es die Christen, die andere ermutigen und ihnen Hoffnung geben konnten.

Das zeigt sich auch am Beispiel von Richard Henkes, der vor drei Jahren seliggesprochen wurde und drei Nationen – Deutsche, Polen und Tschechen – in sich vereint. Er versucht, denjenigen, die mit ihm zusammen die Hölle des Konzentrationslagers Dachau durchleben, Frieden und Hoffnung zu geben. Er heilt und tröstet, er bringt Christus. In einem Brief, den er nach seiner Verhaftung geschrieben hat, schreibt er selbst Worte voller Hoffnung: Bis jetzt hat Gott für mich gesorgt, ich habe keine Angst vor der Zukunft. Gott wird mich sicher mit seiner Gnade begleiten.

Gott wird uns auch mit seiner Gnade begleiten. Auch wir sind in dieser Zeit aufgerufen, Träger des Friedens und der Hoffnung zu sein, die von Christus ausgehen. Und so können wir mit dem heiligen Franz von Assisi dieses schöne Gebet beten.

Gebet für den Frieden (Hl. Franz von Assisi)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

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Wspólnota katolickiego duszpasterstwa mniejszości niemieckiej Dolnego Śląska razem ze swym duszpasterzem o. Marianem przyłączyła się do Pielgrzymki Narodów do sanktuarium Matki Bożej Wspomożenia Wiernych (Maria-Hilf) w Zlatych Horach w Czechach, zawsze w trzecią sobotę września. W tym roku była to już XXVI pielgrzymka –17 września. Głównym celebransem i kaznodzieją był ks. Biskup Martin David z Ostrawy. Cała liturgia odbywała się w trzech językach: po czesku, po polsku i po niemiecku.

Stronę muzyczną ubogaciła orkiestra dęta z Kotulina oraz schola liturgiczna Diecezji Opolskiej (połączone chóry). 

Nabożeństwo na zakończenie pielgrzymki – ku czci Matki Bożej i błogosławionego Richarda Henkesa miało miejsce po południu. Homilię w czasie nabożeństwa głosił ks. Biskup Rudolf Pierskała z Opola.