Das alte Jahr geht zu Ende. Das neue Jahr 2022 – fängt an. Die Erde hat wieder einmal die Sonne umkreist. Da kommt spontan die Frage: Um was kreisen wir gerade? Um was werden wir kreisen in den folgenden zwölf Monaten?
Schauen wir mal auf den heiligen Silvester, den Patron des Jahreswechsels, der den liturgischen Gedenktag am 31 Dezember feiert. Ja, man hat seinen Namen missbraucht und zum Synonym für Partys, Feste, Discos und Feuerwerke gemacht.
Wahrscheinlich hat der heilige Silvester nichts dagegen, wenn wir feiern. Nur hat er wohl etwas dagegen, wenn wir die Reflexion über die Zeit und die Vergänglichkeit im Alkohol ertränken und mit Knallerei übertönen. Vielleicht kommen wir dies Jahr eher dazu über die Vergangenheit und Zukunft nachzudenken.
Silvester lebte zu Beginn des vierten Jahrhunderts, der erste Papst der nicht mehr von den schrecklichen Verfolgungen der ersten Jahrhunderten bedroht war. Kaiser Konstantin erklärte das Christentum im Jahre 313 zur staatlich erlaubten Religion.
Konstantin schenkte dem Papst den Lateranpalast als Residenz, später flankiert von der Basilika San Giovanni, und baute die erste Basilika San Pietro. Das lange Pontifikat von Silvester (21 Jahre) war jedoch von moralen und theologischen Kontroversen zerrissen, und die Autorität der Kirche Roms über alle anderen christlichen Gemeinden, die im gesamten Mittelmeerraum verbreitet waren, war noch nicht allgemein angenommen.
Silvester durfte in gewissem Maße in Frieden leben und deshalb war er auch der erste Bischof von Rom, der nicht als Märtyrer starb. Zum Glück hat er die Freiheit der Christen nicht nur unkritisch bejubelt, sondern genau gewußt, daß die Anpassung an die Welt und die Koalition mit der Macht die Nachfolge Jesu gefährden.
Über diesen Papst Silvester ist uns eine interessante Legende überliefert worden. Diese Legende erzählt, wie Silvester eines Tages mit zwölf jüdischen Gelehrten in einen theologischen Disput gerät. Aber er macht nicht den Fehler, daß er seine Diskussionspartner mit geschliffener Rhetorik in den Boden redet. Nein, er schlägt die Brücke und sagt: Christus kommt aus dem Judentum. Ja, dieser Jesus aus Nazareth, an den wir glauben, ist die Fortführung und die Erfüllung der großen Verheißung des Ersten Bundes.
Und dann erzählt diese Legende weiter, wie da plötzlich ein wilder Stier auftaucht, den ein Zauberer tötet, bevor er jemandem gefährlich wird. Silvester gefällt das gar nicht. Er scheut sich nicht, den Namen Jesu über diesen toten Stier anzurufen, um ihn wieder zum Leben zu erwecken. Der Stier ist dann gar nicht mehr wild und aggressiv, sondern friedlich.
Schließlich taucht auch noch ein Drache auf. Mit seinem giftigen Atem hatte er vielen Menschen geschadet. Silvester aber hat keine Angst vor ihm. Er geht waffen- und wehrlos zu ihm und bindet ihm mit einem Tuch in Kreuzform die Nasenlöcher zu.
Also sich auseinandersetzen statt vernichten – sagt uns die Legende. Dieser Papst Silvester hatte den Mut, sich mit seinen Gegnern auseinanderzusetzen. Auseinandersetzen ist das entscheidende Wort, nicht vernichten! Dabei ist egal, ob es Gesprächsgegner sind oder die eigenen Leidenschaften – das Symbol dafür ist der Stier – oder die tiefen Ängste, die im Bild des Drachen ausgedrückt werden.
Kann man die Legende in die heutige Zeit übertragen? Wo immer Konflikte stattfinden, da kommt es auf eine Entscheidung an: Entweder ich bringe meine Gegner um, physisch oder auch »nur« auf meinem inneren Kampfplatz der Gefühle und Fantasien, oder aber ich setze mich fair und mit klarem Kopf mit ihnen auseinander.
Silvester hat sogar den Mut, den inneren Gegnern, den Leidenschaften und der Angst, in die Augen zu schauen. Nein, er bringt sie nicht um, den Stier nicht und den Drachen nicht. Er ruft den Namen Jesu an. Das heißt: Er begibt sich ganz in die Nachfolge Jesu. Mit seinem Freund und Lebensgefährten Jesus wagt er sich in die Tiefen seiner eigenen Seele, aber auch auf den Kampfplatz seines Alltags. So ist er stark.
Ich wünsche Ihnen und mir, daß wir unseren Gott mit Namen nennen. In tiefer Beziehung und Herzlichkeit. Ich wünsche Ihnen und mir, daß wir im Namen Gottes dieses Jahr anfangen.
(nach „Gottes Wort”)
Am Foto: Silvester erhält von Konstantin die Papstkrone. Fresko in Santi Quattro Coronati in Rom (1247)
In unserer Seelsorge:
6. Januar 2022 Erscheinung des Herrn – 10.00 Uhr hl. Messe. Segen von Kreide, Wasser evtl. Weihrauch
9. Januar 2022 Sonntag Taufe des Herrn – 10.00 Uhr hl. Messe. Haussegen
16. Januar – 2 Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C – 10.00 Uhr hl. Messe
23. Januar – 3 Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C – 10.00 Uhr hl. Messe