Franziskus von Assisi gehört zu den bekanntesten Heiligen. Dies Jahr fiel das Fest des Heiligen von Assisi am Sonntag den 4. Oktober. Gewöhnlich hat die Sonntags-Liturgie immer Vorrang vor den Heiligen; Ausnahme ist ein Patroziniumfest.

Die deutsche Seelsorge in Breslau wird schon seit 60 Jahren von den Franziskanern betreut und als Franziskaner feiern wir immer am 4. Oktober das Fest des Ordensgründers, unseren ersten und wichtigsten Schutzpatron, den wir im übertragenen Sinne Patriarch nennen. Die ganze Messliturgie, und die Predigt war auf diesen Heiligen fokussiert.

In der Predigt ging P. Arndt aus dem Leben des Heiligen aus. Franziskus wurde bereits während seines Lebens von den Menschen sehr geliebt und geschätzt. Unter vielen liebevoll gemeinten Beinamen, wurde Franziskus auch „Troubadour Gottes“ und „Sänger Gottes“ genannt, denn er beeindruckte die Menschen mit seiner „einfühlsamen Rede“.

Heute wird Franziskus als Schutzpatron der Natur, des Umweltschutzes und der ökologischen Bewegung verehrt. Selbstverständlich mit recht. Es gibt gute Grunde dafür. Franziskus hatte ein außergewöhnliches, spezifisches Verhältnis zur Natur. Das sieht man deutlich an einigen Ereignissen in seinem Lebenslauf. Beispiele dafür sind u.a. die Predigt zu den Vögeln bei Bevagna, das Treffen mit dem Wolf in Gubbio oder die Tiere bei der Krippe in Greccio. Obwohl ähnliche Ereignisse ein wenig legendär klingen, spiegeln sie jedoch die Mentalität und die Denkweise des Franziskus wider. Am deutlichsten jedoch lässt sich seine Einstellung zur Natur im so genannten Sonnengesang bemerken.

Der Sonnengesang zählt zur Weltliteratur. Man muss betonen, dass dieser Gesang, oder genauer gesagt Hymnus nicht „legendär“ ist, sondern gehört zu den Werken, die Franziskus selbst gedichtet hat. Das wunderschöne Gedicht ist ein Lobgesang auf die Schöpfung. Im Originaltext fängt es an, und ist heute auch noch so genannt , „Laudato sí“, das ist „Sei gelobt“.

Sonnengesang – aber nicht die Sonne ist hier im Mittelpunkt, nicht die Sonne und nicht die Geschöpfe werden hier „vergötzt“. „Sei gelobt“ du Gott der Schöpfer aller Dinge. Von dir kommt alles, wir – gemeinsam mit allen Geschöpfen loben dich. Logisch, wenn wir zusammen, mit allen Geschöpfen von Gott dem Vater stammen, dann sind wir auch Brüder und Schwestern. Das absolut Neue, im 13 Jahrhundert, ist in diesem Denken, dass Franziskus Sonne, Mond, Sterne, Wind, Feuer und Wasser als seine Brüder und Schwestern betrachtet.

Der Sonnengesang des Hl. Franziskus von Assisi

Du höchster, mächtigster und gütiger Herr,
dir gilt das Lob, die Herrlichkeit,
die Ehr’ und jeder Segen.
All dies gebührt nur Dir, Du Allerhöchster,
kein Mensch ist auch nur würdig,
dich zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr,
samt allen Deinen Werken,
doch in besonderem Maß durch Schwester Sonne.
Auf uns herab lässt Du sie täglich scheinen.
Wie schön ist sie; sie strahlt mit großem Glanze.
Vor Dir, o Höchster, hat sie ihren Sinn.

Gelobt seist Du, Herr,
auch wegen Mond und Sternen,
die glanzvoll, schön und kostbar Du geschaffen.

Gelobt seist Du, o Herr, durch Bruder Wind,
durch Lüfte, Wolken und jedwedes Wetter
das die Geschöpfe Deiner Hand erhält.

Gelobt seist Du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
die nützlich-schlichte, köstliche und reine.

Auch Bruder Feuer lobe Dich, o Herr,
er leuchtet uns in nächtgem Dunkel;
lustig ist er und schön; kräftig und kühn.

Es lob’ Dich unsere Mutter Erde, Herr,
die uns erhält und leitet.
Sie schenkt uns viele Früchte,
Kräuter, bunte Blumen.

Gelobt seist Du, o Herr, durch all’ diejenigen,
die Dir zulieb’ Verzeihung üben,
die Kranke und Bedrängte pflegen;
selig sind, die geduldig leiden,
denn Du wirst ihnen einst die Krone geben.

Gelobt seist Du, mein Herr,
durch unseren Bruder Tod,
dem kein Lebend’ger kann entrinnen:
Weh’ denen, die in Todessünden sterben,
doch selig, die sich Deinem
heiligen Willen fügen:
Leicht ist ihr Tod und ohne jeden Schmerz.