Über die Berge schallt
Sommerzeit bedeutet für die in der Heimat verbliebenen deutschen Katholiken Pilgerzeit. Wie jedes Jahr, hat am zweiten Augustsonntag (dies Jahr 9.08.2020) in Albendorf (Wambierzyce) im Glatzer Bergland die Marienwallfahrt der deutschen Schlesier stattgefunden.
Albendorf ist ein Marienwallfahrtsort in Niederschlesien. Er gehört zum Kreis Glatz in der heutigen Woiwodschaft Niederschlesien und liegt am nordöstlichsten Fuß des Heuscheuergebirges, vier Kilometer südöstlich von Wünschelburg (Radków), zu dessen Gemeinde er gehört.
Der Verband der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) hatte alle Angehörigen und Interessierten der Deutschen Minderheit zur Teilnahme an der Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten eingeladen. Das feierliche Hochamt in der Basilika in Albendorf begann am Sonntag um 12:30 Uhr unter Leitung des Görlitzer Bischofs Lic. theol. Wolfgang Ipolt und war wie alljährlich trotz Corona-Pandemie gut besucht. Die Gläubigen trugen alle pflichtbewusst ihren Mund- und Nasenschutz und hielten soweit wie möglich die notwendigen Abstände ein. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Chor „Heimatchor“ aus Gleiwitz umrahmt.
Der Seelsorger der deutschen Katholiken in Breslau, Pater Marian Bernard Arndt, hatte zuvor wie jedes Jahr früh angefangen für den 9. August die Gläubigen zu mobilisieren. So organisierte der Verband deutscher sozial-kultureller Gesellschaften in Polen, unter der Leitung von Frau Monika Wittek, wie seit Jahren eine Pilgerfahrt nach Albendorf, in der Deutsche aus Nieder- und Oberschlesien teilnehmen. So kamen Pilgerbusse aus Oppeln, Gleiwitz, Ratibor und Beuthen in Oberschlesien, sowie zahlreiche Pilger aus Niederschlesien und Deutschland. Ein Teil dieser Fahrten wird aus Projekt-Mitteln des Bundesministeriums des Innern der Bundesrepublik Deutschland finanziert.
Zu der seit dem 17. Jahrhundert wohl berühmtesten Marien-Wallfahrtsstätte mit ihrer barocken Basilika führen auf einer Breite von 50 Metern 33 Stufen, die für die Lebensjahre Jesu stehen. Der Ort wird „schlesisches Jerusalem” genannt, weil das von Graf Franz Anton von Götzen gestiftete Gotteshaus 1720 als „Tempel von Jerusalem” eingeweiht wurde. Papst Pius XI. verlieh dem Gotteshaus 1936 den Status einer Basilika minor mit dem Namen „Maria Muttergottes”. Vom Altar der Basilika blickt die 28 Zentimeter große Figur der „Albendorfer Gottesmutter” auf die Pilger. Neben der Basilika wurde von Daniel von Osterberg nach einer Jerusalem-Pilgerreise ein Kalvarienberg angelegt. Zur Tradition der deutschen Wallfahrten gehörte dort auch eine Vesperandacht in deutscher Sprache.
Der Verband der deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Oppeln übertrug den Gottesdienst live auf seiner Internetseite und war somit weltweit zu verfolgen. Wie im schlesischen Wallfahrtlied „Über die Berge schallt“ welches auch gesungen wurde, schallte so der Wallfahrtsgottesdienst mit der Lesung aus der Apostelgeschichte und der Festpredigt des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt über die Berge zu vielen Schlesiern. Möge Gottes Segen die Wallfahrer schützen und der Tag vielen in Erinnerung bleiben.
10.08.2020 Michael Ferber