Sonntag der Taufe des Herrn
Die heilige Messe am 13. Januar konzelebrierten Pfarrer Prof. Tomasz Hergesel und P. Leo.
P. Marian Bernard Arndt predigte: Die Johannestaufe war eine Busstaufe, aber Jesus, der Gottessohn brauchte doch keine Busse zu tun. Jesus teilt mit den Menschen nicht nur Lebensgemeinschaft, sondern auch Schuldgemeinschaft. Er ist Mensch geworden mit allen Konsequenzen. Er hat sich erniedrigt zu den sündigen Menschen und mit ihnen die Taufe angenommen. „Er hat sich entäußert indem er wie ein Sklave wurde und den Menschen gleich“ – diese Menschwerdung feierten wir zu Weihnachten. In der weiteren Heilsgeschichte sehen wir, wie sehr Jesus „sich selbst erniedrigt hat… bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz“ (Phil 2,7-8). Wir Getauften haben Anteil an Jesu Leben; erniedrigt im Leid, Krankheit und Tod, mit ihm werden wir „erhöht“ zum ewigen Leben.
Diesen Anteil an der Taufe haben wir in dem Glaubensbekenntnis geäußert. Es war eine besondere Form des Glaubensbekenntnisses. Einzeln kamen wir nach vorne tauchten die Fingerspitzen ins Taufwasser ein, und machten ein Kreuzzeichen. In der Taufe – das wurde uns bewusst – sind wir „wiedergeboren aus Wasser und Geist und haben Zutritt erhalten zum Reiche Gottes“ (vgl. Joh 3,5).
Der Schlusssegen nach der hl. Messe war gleichzeitig der Haus- und Wohnungssegen. Dem Brauch nach besuchen die Priester in der Weihnachtszeit die Familien mit Gottes Segen und gemeinsamen Gebet. In unserer Gemeinde gehen wir diesem Brauch nach, indem wir in der Kirche gemeinsam den Segen empfangen und zusammen für unsere Familien beten. Wie immer, bei so einer Gelegenheit, verteilte der Seelsorger Bildchen zur Erinnerung an den Haussegen.
Eine gute Erfahrung haben wir mit unseren Begegnungen an jedem zweiten Sonntag des Monats gemacht. An diesem Sonntag hatten wir Pfarrer Hergesel mit seinen Bildern zu Gast. Pfarrer Hergesel erzählte seine Geschichte, die er auch in seinem Buch veröffentlichte. Dieses Buch u.d.T. „Wenn du etwas machst – mach das ordentlich“ konnte man auch erwerben.
Zum ersten Mal wurde Familie Hergesell im XIV. Jahrhundert in der Umgebung von Nordrhein erwähnt. Von dort sind manche Familienmitglieder nach Schlesien, in die Gegend von Oppeln gezogen. Hier haben sie ihre Familien gegründet und ihre Häuser gebaut. Dort, in Gross Döbem (Dobrzeń Wielki) ist Pfarrer Hergesel zur Welt gekommen.
Sein Vater Joseph war Steuermann, hat mit der Barke, mit einem Transportboot Kohle zwischen Stettin und Gleiwitz gefahren. Während eines Aufenthaltes in Döbem ist er zu einem Tanzabend gegangen. Dort hat er ein wunderschönes Mädchen mit langen lockigen Haaren kennengelernt. Das Mädchen hieß Maria und bald ließen sie sich trauen. 1935 ist ihr erster Sohn, nach dem Vater Joseph genannt, geboren worden; und dann der zweite Sohn, den sie Arnold Thomas nannten. „Das war ich” – sagt Pfarrer Hergesel.
Dann ist er Priester der Erzdiözese Breslau geworden, studierte Bibelwissenschaften in Lublin und Rom. Es entwickelte sich eine brillante Karriere, er konnte mehrere Sprachen, unterrichtete an verschiedenen Universitäten. Alles unterbrach eine Krankheit. Nach einer Herzoperation ist er gelähmt geworden. Alles vorbei. Er musste alles neu lernen: sprechen und gehen. Er hat jedoch nicht nachgelassen. Viele Jahre hat er harte und mühsame Rehabilitation durchgemacht. In diesem Zustand nahm er wieder Farben und Pinsel in die Hand, wie in seiner Jugendzeit, und begann zu malen. Im Malen fand er seine neue Lebenschance, im Malen fand er die Rehabilitation-Möglichkeiten und einen Weg der Evangelisierung, weil er neben Natur gerne Illustrationen der evangelischen Ereignisse: am See Genezareth, in Jerusalem, im Abendmahlsaal malt. Besonders nahe ist ihm das Bild: „Petrus heilt den Gelähmten“. Pfarrer Hergese bat um eine kurze Lesung: „In Lystra war ein Mann, der von Geburt an gelähmt war…“ (Apostelgeschichte 14), aber unterbricht gleich: „das bin ich!“
Merkwürdig ist auch die Bilderreihe: „Die 12 Monate“. In unterschiedlichen Farbtönen und Landschaften, stellen die Bilder die wechselnde Natur dar.
Die Bilder vom Pfarrer Hergesel sind sehr bunt und heiter. Er selbst strahlt viel Optimismus aus. Diesen Optimismus, die Ansichtskarten mit seinen Bildern und seine Bücher nahmen wir diesen Sonntag mit uns in den Alltag.
MAr