Seit Jahrhunderten ist Wartha ein Ziel für Wallfahrer, die zur wundersamen Gnadenfigur der Muttergottes als Fürsprecherin für ihre Bitten pilgern. So wie jeden zweiten Sonntag im Juli begaben sich die deutschen Katholiken aus Breslau auf den Weg zur Basilika, wo sie zusammen mit Pilgern aus Oberschlesien und Deutschland den Hochamt in deutscher Sprache feierten. Die Gnadenfigur, eine 42 cm hohe Sitzmadonna aus Lindenholz soll, nach den neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht aus dem 13, Jh. wie bisher vermutet, sondern aus dem 11. Jahrhundert stammen. Vor dieser Figur knien seit je her viele Menschen verschiedener Nationen nieder und bitten die Muttergottes um Fürsprache bei ihrem Sohn. Die hier stattgefundenen Wunder wurden sorgfältig im „Wunderbuch von Wartha“ festgehalten, das sich im Archiv der Basilika befindet.
Seit 1900 betreuen die Wallfahrten die Redemptoristen. Der Ortspfarrer P. Mirosław Grakowicz CSsR erwähnte bei der Begrüßung der Pilger den deutschen Pater Joseph Schweter, der 1901 aus Österreich nach Wartha gekommen war und bis zu seinem Tode 1954 im Kloster bleiben und weiterarbeiten konnte. Pater Schweter schrieb u.a. die Geschichte des Wallfahrtsortes Wartha und ein Buch über Schwester Dulcissima Hoffmann „Kreuzesbraut“. Die feierliche hl. Messe, die musikalisch vom Chor aus Krappitz und dem Orchester aus Tost begleitet wurde, hielten die Deutschenseelsorger aus Nieder- und Oberschlesien Dr. Marian Arndt und Dr. Peter Tarlinski und der Prediger Pfarrer Christian Burczek.
Maria als vollendetes Menschensein und erfüllte Sehnsucht nach Gott – war das Leitmotiv der Predigt. Wir sind angewiesen auf Gott, sagte der Priester, und seine Gnade, seine Zuwendung und Liebe, denn wir bringen nicht alles durch unsere Leistung zustande. Maria war in ihrem Leben oft ratlos, betrübt und verletzt, aber sie vertraute immer auf Gott. Sie war die Dienerin, die Magd des Herrn. Maria ist unser Glaubensweg, stellte der Prediger fest. Wenn wir hier zu diesem Wallfahrtsort kommen, entdecken wir wieder neu unseren Glauben, wo wir stehen und wie weit können wir uns als getaufte Christen entwickeln. Sehr oft sind wir verzweifelt und ratlos und bitten Maria hier um Hilfe und Gnade. Der Glaube ist es der das Leiden ertragen lässt. Es gibt keinen anderen Weg zur Vollendung und Herrlichkeit Gottes wie über Maria. Durch die Fürsprache Maria erbitten wir Gottes Gnade. Die Größe der Muttergottes war, dass auch wenn sie Gottes Wege nicht richtig verstanden hat, lebte sie im Glaubensbewusstsein, dass Gott alles zum Guten wendet. Wenn wir wallfahren, möchten wir auch Jesu begegnen und deswegen wenden wir uns der Muttergottes zu, die uns zu ihm führt. Vertrauen wir unsere Bitten heute Maria an, denn durch Maria zum Christus. Wir sollten aber auch danken, denn wir haben allen Grund dafür z.B. dass wir in der Muttersprache heute den Gottesdienst feiern dürfen, sagte abschließend Pfarrer Burczek.
Die hl. Messe klang mit dem Opfergang um den Altar und der Verehrung der Gnadenfigur aus. Nachher konnten die Pilger noch einem frohen Musizieren und Singen des Chores und Orchesters beiwohnen.
Auf dem Weg nach Hause besuchten die Breslauer Pilger noch die kleine Kirche in Klein Silsterwitz / Sulistrowiczki und genossen den guten Kuchen und Kaffe bei der gastfreundlichen Familie Kurnol.
BSz