„Kehrt um und glaubt an das Evangelium“
Unter diesem Motto begannen am Aschermittwoch die fünftägigen geistlichen Übungen, die zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit Gott führen sollten. In einer Gesellschaft, in der Leistung ein Bewertungskriterium ist, ist es wichtig wenigstens paar Tage abschalten zu können und den Exerzitien zu folgen in deren Mittelpunkt die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen steht. Das tut die deutsche katholische Gemeinde jedes Jahr während der ersten Tage der Fastenzeit. Ein Blick auf das Altar machte uns die drei Anliegen dieser Zeit: das Fasten, das Beten und das Almosen bewusst, die Schwester Nikodema graphisch und anhand Requisiten dargestellt hat.
Der diesjährige Exerzitienmeister war Pfarrer Mons. Andreas Straub aus Bayreuth. Aschermittwoch ist der Tag, an dem wir das Aschenkreuz empfangen und darauf hingewiesen werden „bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“, sagte Pfarrer Straub in seiner ersten Predigt. In der mit diesem Tag beginnenden 40tägigen Fastenzeit, geht es eigentlich um eine geistige Entschlackung. Der Benediktiner Pater Anselm Grün führt das Wort Busse auf das „besser werden“ zurück. Das Wesentliche in der Fastenzeit ist das Umkehren und das Umdenken. Das Umkehren beginnt zuerst in unseren Gedanken, betonte der Prediger. Das Böse wird zuerst in den Gedanken geplant, darum beten wir auch in dem Schuldbekenntnis „ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken“. Wenn wir jedoch wissen, dass Jesu unser Heiland und Retter ist, dass er uns Freude und Frieden und Leben in Fülle schenken will, dann sei Umkehr nicht Busse sondern Freude. Abschließend wünschte er „mögen Sie als Familie Gottes sich gern hier einfinden, Kraft aus dem Glauben schöpfen, damit uns die Nachfolge Christi erfüllt“.
Die zweite Predigt, die dem Glauben gewidmet war, fiel auf den 11. 02., den Weltgebettag der Kranken, den vor 24 Jahren Papst Johannes Paul II. eingeführt hat. An diesem Tage, sagte der Exerzitienmeister, sollten wir besonders innenhalten und sich die Frage stellen, ob wir bereit sind unsere Herzen zu öffnen, damit Gott auf unsere Herzen schaut und nicht auf unser Äußeres. Unser Hauptgebot sei auch dafür zu sorgen, dass sich unsere Nachkommen für Gott entscheiden, christliche Werte verteidigen und Gott und den Nächsten lieben, wie sich selbst. Der christliche Glauben hat menschliches Wertvolles in sich : Liebe, Barmherzigkeit, Vergebung und Versöhnung. Glauben heißt Vertrauen auf Gott. Im lateinischen Wort „credo“ ist eigentlich das Wort „cordo“ enthalten und das bedeutet : ich gib mein Herz hin. Das Leben ist vergänglich, aber wir setzen unsere Hoffnung auf Gott, deshalb müssen wir uns nicht fürchten, stellte der Priester fest.
Über Gott unseren Vater und den Frieden predigte Monsignore Straub am dritten Tag der Exerzitien. In anderen monotheistischen Religionen wird Gott als jemand unnahbarer anerkannt: die Muslime rufen „Allah ist groß“ und im Judentum lautet der Ruf „Höre Israel“. Die Christen dagegen erfahren ihren dreifaltigen Gott als Vater, der zwar gerecht aber auch barmherzig ist. In der Bibel kommt sehr oft das Wort Abba – Vater vor. Besonders am Freitag denken wir an die Worte Jesu „Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist“. Der Prediger animierte die Anwesenden zu Hause nachzudenken, wie empfinde ich Gottes Hand in meinem Leben und was für Funktionen Hände ausüben können.
Beten wir bewusst besonders in der Fastenzeit das Vaterunser und achten wir auf alle Bitten, die in diesem Gebet ausgesprochen werden, sagte der Priester.
Im Bezug auf das Buch „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ vom Papst Franziskus betonte Pfarrer Straub, dass der Papst auch Brücken zu anderen Religionen schlagen möchte, denn Gott hat ein barmherziges Herz zu allen. Davon zeugt auch das Treffen des Papstes Franziskus mit dem orthodoxen Patriarchen von Moskau Kyrill, damit das Gespräch zwischen den Konfessionen weitergeführt und Frieden gestiftet wird. Gott will sicher keinen Krieg und keinen Hass. Wir brauchen Hände, die Frieden reichen, beteuerte der Geistliche.
In der vierten Predigt der Einkehrtage ging der Exerzitienmeister auf die Botschaft des Papstes Franziskus zum 24 Weltgebettag der Kranken ein. Die Überschrift dieser Botschaft lautet: Sich wie Maria dem barmherzigen Jesus anvertrauen „ Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Sein erstes Zeichen hat Jesus nicht an Kranken oder Leidenden vollbracht sondern an dem Brautpaar in Kana durch die Fürsprache Marias. „In der Fürsorge Marias spiegelt sich die zärtliche Liebe Gottes. Diese Zärtlichkeit wird im Leben vieler Menschen gegenwärtig, die den Kranken zur Seite stehen und deren Bedürfnisse zu erkennen wissen, auch die kaum wahrnehmbaren, denn sie haben einen Blick voller Liebe“ schreibt Papst Franziskus in seiner Botschaft. „Möge es auch uns geschehen, dass wir im Jahre der Barmherzigkeit selber von der Barmherzigkeit zehren und dass wir unseren Kranken, Einsamen und Leidenden zur Seite stehen“ fügte der Prediger hinzu. Durch die Diener, die in Kana die Krüge mit Wasser füllten, wollte Jesus Heil und Segen spenden. So will er auch durch uns Hilfe und Trost spenden und weitergeben. Monsignore Straub wünschte allen, damit sie besonders in der Fastenzeit die Botschaft des Papstes Franziskus verinnerlichen, denn dadurch können wir viel Freude und Erfüllung erfahren.
Nach der hl. Messe lud der Exerzitienmeister alle Anwesende zu einer Begegnung im Saal der Hedwigschwestern. Bei einer Tasse Tee und Süßigkeiten versuchten wir uns näher kennenzulernen. Pfarrer Straub erzählte uns über seinen Weg als Banatdeutscher und seine Tätigkeit als Visitator der Donaudeutschen und Fr. Zajączkowska berichtete über das Leben der in Breslau gebliebenen Deutschen. Abschließend wurden aber auch die Gedanken über die vielen Funktionen der Hände aus den Exerzitienpredigten aufgenommen und besprochen.
Das Thema der letzten Predigt war die Versuchung.
Die Fastenzeit soll uns motivieren nach Gott Ausschau zu halten. Um Gott näher zu kommen und umzukehren brauchen wir Ruhe und nicht die Hektik des heutigen Alltags, in der wir sehr schnell Gott aus unserem Blickwinkel verlieren. Jesus reagiert auf die Versuchung des Satans in der Wüste mit den Worten „ der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein“. Fastenzeit ist auch eine Einladung, betonte der Prediger. Durch den Verzicht auf das gewohnte kann man wieder das Lebenswerte und Wesentliche wie Liebe, gemeinsame Zeit mit Partnern, Kindern und Freunden, Gelassenheit ins Auge fassen. Fastenzeit ist auch eine Chance Neues im Alltag zu entdecken.
Wir werden im Alltag verlockt mit verschiedenen materiellen Sachen. Denken wir jedoch, dass nicht haben sondern sein glücklich macht, erinnerte Pfarrer Straub Unsere Wünsche sollten auch revidiert werden: muss das unbedingt sein? Es wäre gut besonders in der Fastenzeit am Tag auch innezuhalten, Beichte ablegen, Buße tun und bei allem was wir tun demütig sein.
Eine andere Art der Versuchung ist selbst sein zu wollen wie Gott. Christus hat uns selbst vorgelebt, wie wir der Versuchung Widerstand leisten können. Nur wenn wir aufmerksam auf das bleiben, was unser Leben reich macht, bereit sein die falschen Götzer zu entthronen und demütig dabei bleiben, bleibt unser Leben menschlich, sinnvoll, frei und reich, stellte der Prediger fest.
Im Namen der Gemeinde dankte Frau Dorothea Bielawska dem Exerzitienmeister für die tiefgründigen und aufrichtigen Worte sowie für seine freundliche und gütige Zuwendung und wünschte ihm weiterhin Gesundheit, Schaffenskraft, Freude und Glauben, dass alles was er tut einen Sinn hat.
zusammengefasst : B. Sz.