Przed rozpoczęciem V Festiwalu Kultury Niemieckiej została odprawiona uroczysta Msza św. w Kościele Najświętszej Marii Panny „Na Piasku”. Głównym celebransem był J.E. Ks. Arcybiskup Marian Gołębiewski, słowo Boże wygłosił J.E. Ks Biskup z Opola Andrzej Czaja. Tekst tego kazania publikujemy poniżej.

Feierliche Messe zum Kultur-Festival wurde in der St. Maria Kirche „Auf dem Sande“ in Breslau zelebriert. Hauptzelebrant: Erzbischof Marian Gołębiewski. Konzelebrant und Prediger: Bischof Andrzej Czaja.

 5. Kulturfestival der Deutschen Minderheit in Polen

Eucharistiefeier: St. Marien-Kirche „auf dem Sande“

Wrocław (Breslau) – 26. September (Samstag) 2015, 9.30 Uhr

* Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

* Liebe Veranstalter des Kulturfestivals, liebe Deutschen in Polen,

* Liebe Teilnehmer aus Schlesien, Polen, Deutschland und anderen Ländern und Regionen, alle Gӓste von nah und fern,

* Liebe Vertreter der deutschen und polnischen Regierung wie die Verwalter der Stadt Breslau,

* Liebe Freunde der Evangelischen Kirche und der jüdischen Glaubens-Tradition

* Liebe Geistliche und Ordens-Schwestern,

* Lieber Herr Erzbischof Marian Gołębiewski

Die erste Lesung erinnert uns an ein Ereignis aus der Zeit Mose. Der Herr „nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung“. Und Mose hat vor Gott den folgenden Wunsch geäußert: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“

Gott, der Herr, hat den Wunsch seines Dieners nicht ignoriert und hat auf diesen positiv geantwortet. Zunächst hat er mit den Worten des Propheten Joël das Herabsteigen des Heiligen Geistes auf jedes Fleisch vorausgesagt. An Pfingsten hat er die Verheißung erfüllt: der Geist Christi wurde zum Anteil für das neue Volk Gottes, das heißt – für die Gemeinschaft der entstehenden Kirche. Daher von Anfang an wurden die Jünger Christi – CHRISTEN genannt – was sich auf die Salbung mit dem Heiligen Geist bezieht.

Dieser Geist, der die Menschwerdung des Sohnes Gottes bewirkt hat, der mit seiner Kraft Jesus erfüllte, so, dass er allen auf Erden Gutes getan hat und uns alle aus der Sklaverei des Bösen befreit hat, dieser Geist ist seit unserer Taufe auch in uns. Wir tragen in uns den Geist der Wahrheit und der Liebe, der Einheit und des Friedens.

Leider – hat dies wenig Einfluss auf unser Leben.

Unter uns Christen, hier in Schlesien, in Polen und in Europa, in unseren Familien und Pfarrgemeinden gibt es so manche Verlogenheit, wenig Freundlichkeit, zahlreiche Konflikte, Zwietracht, Unrecht, Leid und Gleichgültigkeit – sogar den Nächsten gegenüber. Noch größer sind die Defizite des Heiligen Geistes im gesellschaftlichen Leben. Es sei nur an den so genannten polnisch-polnischen Krieg, der sich vor den Wahlen abspielt wie auch an die Einstellung mancher Politiker und einiger kirchlichen Kreise bezüglich der Flüchtlingsfrage in unserem Lande.

Soll es heißen, dass der Heilige Geist uns verlassen hat? Auf keinen Fall. Der Geist Gottes ist uns für immer gegeben worden. Man muss ihn jedoch in sich selbst wecken – wie auch immer es klingen mag. Den Heiligen Geist muss man anrufen und sich selbst auf sein Wirken öffnen; man muss IHN handeln lassen.

Vor allem sollten wir – wie uns darauf die Mutter-Kirche im Kehrers zum Antwortpsalm hinweist – dafür sorgen, damit die Weisungen des Herrn erneut eine Freude unserer Herzen werden. Die Hochmütigkeit unseres Verstandes hat dazu geführt, dass wir immer mehr das Recht Gottes missachten: sowohl das Natürliche als auch das Beschlossene. Wir leben wie es uns gefällt. Die Folge eines derartigen Verhaltens ist, dass wir mit unserem Leben auf vielen Ebenen nicht mehr fertig werden, dass wir gute Beziehungen zu den Mitmenschen nicht mehr gestalten können: in den Familien, in der Gesellschaft, in der Kirche, dass wir nicht mehr verantwortungsvoll die natürlichen Ressource der Erde nutzen können. Daher werden die Stimmen vom Untergang der westlichen Zivilisation und dem Zusammenbruch der christlich geprägten Kultur immer lauter.

Wir können nicht nur auf die Diagnose beschränken. Den Worten des Psalms folgend – müssen eingestehen – dass wir uns verirrt haben, das wir die verlässlichen Gesetze Gottes verlassen haben, diejenigen, die den Menschen erquicken, die Sicherheit verschaffen und den Unwissenden weise machen. Dieses göttliche Recht sollten wir aufs Neue verinnerlichen, uns an im erfreuen, um mit den Augen des Glaubens mehr, weiter, breiter und tiefer zu sehen, besonders den Sinn des menschlichen Lebens und Handelns.

Der Apostel Jakobus – in der zweiten Lesung – sagt uns direkt: „weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird“. Geklagt wird es viel, weil wir das Bewusstsein der durch Gott beschenkten Menschen verloren haben. Die Erfolge schreiben wir oft nur und selbst zu. An unseren Misserfolgen ist Gott schuld. Das führt bei uns zum Jammern und nicht selten nehmen wir es Gott übel.

Außerdem, angesichts der vielen Militär Konflikte in der Welt und der Ratlosigkeit gegenüber dem Flüchtlingsstrom in Europa, werden in uns Zweifel und Ängste wach bezüglich unserer Zukunft, über das, was Morgen kommt. Dies führt zu neuen Mauern, zu gegenseitigen Beschuldigungen; es wird die elementare Solidarität in Europa zersprengt.

Unser Glaube sagt uns, dass Jesus unser Emmanuel sei, der unter uns lebt; Er ist ein Gott unter uns für gute und schlechte Zeiten. In der Kraft des Heiligen Geistes kommt er zu uns, um uns zu stärken – durch sein Wort, seine Gnade und Liebe. Er spricht zu uns: „Habt keine Angst. Ich habe die Welt besiegt“. Von daher sollten wir nicht in Ängste verfallen und in Panik geraten. Wir sollten eher zu Gott zurückkehren. So, wie zu Beginn seines Wirkens auf Erden, ruft Jesus auch heute uns zu: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“.

Der gleiche Ruf erklingt im Brief des heiligen Jakobus: „weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird“; und er fordert dazu auf, das eigene Gewissen gründlich auf die eigenen Vergehen zu Prüfen. Unter diesen benennt er:

– der Lohn der Arbeiter, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel;

– Ihr habt auf Erden ein üppiges Leben geführt und habt euer Herz gemästet;

– Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht.

Ähnlich tut auch Papst Franziskus. Alle Hirten ruft er zur pastoralen Umkehr auf. Im apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium betont er, dass für die Entfaltung des Glaubens in der Welt  „der graue Pragmatismus im alltäglichen Leben der Kirche” darstellt. „Alles läuft scheinbar normal. In Wirklichkeit aber schwindet der Glaube und geht in der Kleinlichkeit unter”. Daher muss das Leben der Kirche, das Leben der Christen neu revidiert werden. Mann sollte den Missionseifer neu erwecken und das Evangelium in die Welt tragen, „nicht wie jemand, der eine neue Pflicht aufdrängt, aber als jemand, der seine Freude mitteilt und die schönen Horizonte des Lebens aufzeigt. Die Kirche wächst nicht durch den Proselytismus sonder „durch Anziehung“ (Nr. 14).

In der Enzyklika Laudato si ruft Papst Franziskus zu einer ökologischen Umkehr. Im Anschluss an die Worte des Patriarchen Bartholomäus spricht er von einer Notwendigkeit der Reue für die Schäden, die der einzelne dem Planeten Erde zugefügt hat. Denn jeder von uns leistet einen „kleineren oder größeren Beitrag zur Verunstaltung und Zerstörung der Schöpfung“ (Nr. 8). Um die Natur zu retten, brauchen wir einen natürlichen Übergang „vom Konsum zum Opfer, von der Habgier zur Freigebigkeit, von der Verschwendung zur Fähigkeit des Teilens“ (Nr. 9).

In seinem Schreiben Misericordiae vultus ruft Papst Franziskus zur Umkehr auf, damit wir die Gnaden des Jubiläumsjahres in der Katholischen Kirche – welches uns davorsteht – nicht verschwenden. Er betont – „dass auch die Barmherzigkeit ein Ziel ist, zu dem es aufzubrechen gilt und das Einsatz und Opfer verlangt“. Von daher „müssen wir also zunächst auf das Wort Gottes hören. Das heißt, wir müssen den Wert der Stille wiederentdecken, um das Wort, das an uns gerichtet ist, meditieren zu können. Auf diese Weise ist es möglich, die Barmherzigkeit Gottes zu betrachten und sie uns anzueignen und zum eigenen Lebensstil werden zu lassen (Nr. 13).

Wir sollten auch dafür sorgen, „dass wir nicht richten und nicht verurteilen“, dass wir in jeder Person das Gute sehen können, dass wir bereit werden zu vergeben und zu geben (vgl. Nr. 14).

Der Heilige Vater ruft auf: Verfallen wir nicht in die Gleichgültigkeit, die erniedrigt, in die Gewohnheit, die das Gemüt betäubt und die verhindert etwas Neues zu entdecken, in den Zynismus, der zerstört. Öffnen wir unsere Augen, um das Elend dieser Welt zu sehen, die Wunden so vieler Brüder und Schwestern, die ihrer Würde beraubt sind. (…) Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken. Das wird eine Form sein, unser Gewissen, das gegenüber dem Drama der Armut oft eingeschlafen ist, wachzurütteln (Nr. 15).

Liebe Schwestern und Brüder – die eben erwähnten Gedanken des Papstes Franziskus zu der Notwendigkeit einer pastoralen, ökologischen und persönlichen Umkehr können wir uns tief im Herzen vornehmen. Dies ist eine feste Grundlage für einen tiefgreifenden Gewissenspiegel und zu einer Lebensverwandlung in unseren Familien, Gemeinden und in der Gesellschaft. Und diese Mühe sollten wir auf uns ohne Zögern nehmen.

Im Evangelium ruft uns Jesus zu radikalen Handlungen auf: Hau deine Hand ab; hau deinen Fuß ab; reiß dein Auge aus, wen sie für dich zum Bösen führen. Wir sollten uns von dem trennen, was uns in unserem Leben zum Bösen verführt.

Wir sollten unsere Bedürfnisse neu ordnen uns deutlich zu Gott wenden, der die Quelle des Guten ist. Auf die Worte des Hl. Paulus eingehend: Wenn wir da leben vom Geist Gottes haben – mögen wir uns nach den Weisungen des Geistes richten, damit er unter uns immer mehr zunimmt! Amen.