{"id":1922,"date":"2017-04-28T12:24:06","date_gmt":"2017-04-28T10:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/katholische-seelsorge.franciszkanie.com\/?p=1922"},"modified":"2017-05-30T14:36:35","modified_gmt":"2017-05-30T12:36:35","slug":"pastor-lischke-feiert-den-90-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katholische-seelsorge.franciszkanie.com\/index.php\/2017\/04\/pastor-lischke-feiert-den-90-geburtstag\/","title":{"rendered":"Pastor Lischke feiert den 90. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Heinz Lischke stammt aus Breslau, 1927 wurde er hier geboren. Im Jahre 1944 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und im Jahr darauf gefangen genommen. In den folgenden Jahren, in den Lagern der Amerikaner und Russen vollzog sich in ihm die entscheidende Wende seines Lebens. Nach f\u00fcnf Jahren in Russland kehrte er als bekennender Christ nach Deutschland heim. Ab 1954 bis zum Ruhestand war er als evangelischer Pastor in Zerbst in Anhalt t\u00e4tig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Breslauer deutschen Gemeinden beider Konfessionen pflegen einen engen Kontakt zu Pastor Lischke. Zu seinem 90. Geburtstag wurde auch Pater Arndt eingeladen. Das Fest begann mit einem feierlichen Gottesdienst in der St. Bartholom\u00e4i-Kirche in Zerbst. Die Andacht f\u00fchrte und die Ansprache hielt Pastor Albrecht Lindemann.<\/p>\n<p><strong>Urodziny pastora Lischke. <\/strong>Obchodzili\u015bmy 90 urodziny pastora Lischke. Pastor Heinz Lischke urodzi\u0142 si\u0119 w przedwojennym Wroc\u0142awiu \u2013 Breslau. O swoich trudnych prze\u017cyciach w czasie wojny i po niej napisa\u0142 ksi\u0105\u017ck\u0119 przet\u0142umaczon\u0105 r\u00f3wnie\u017c na j\u0119zyk polski pt. \u201eNawr\u00f3cenie\u201d. Utrzymywa\u0142 \u017cywy kontakt nie tylko z ewangelick\u0105 niemieck\u0105 parafi\u0105 \u015bw. Krzysztofa we Wroc\u0142awiu, ale i z nasz\u0105 wsp\u00f3lnot\u0105 duszpastersk\u0105. Uroczyste nabo\u017ce\u0144stwo z okazji urodzin pastora odby\u0142o si\u0119 28.04.2017 r. w ko\u015bciele \u015bw. Bart\u0142omieja w Zerbst\/Anhalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Andacht zum 90. Geburtstag<\/strong><\/p>\n<p>Der Pastor Albrecht Lindemann begr\u00fc\u00dfte alle herzlich mit den Worten aus dem Hebr\u00e4erbrief:<\/p>\n<p>\u201eJesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehre umtreiben, denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade\u201c (13,8-9).<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst sprach der Pastor das Gebet:<\/p>\n<p>Jesus Christus, wir sehnen uns nach deiner Gemeinschaft und fragen uns: Was h\u00e4lt? Was tr\u00e4gt? Was hat Bestand? Du hast uns die Vergebung unserer Schuld zugesagt. Daran halten wir fest. Deshalb bitten wir um deinen Trost und deine Kraft. Erf\u00fclle unsere Herzen, mach sie fest in Christus. Lass uns darauf vertrauen, dass du uns gn\u00e4dig bist, wie du unserm Bruder Heinz Lischke gn\u00e4dig bist. Der du mit dem Vater und dem Sohn regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p>Nach dem Glaubensbekenntnislied fand die Ansprache statt:<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, lieber Bruder Heinz Lischke, 90 Jahre. Was f\u00fcr ein Tag muss das heute f\u00fcr dich sein. Ich sag es gleich gerade heraus. Ich denke, es ist heute ein Tag der Gnade.<\/p>\n<p>Ich will das erkl\u00e4ren: 90 Jahre, das erlebt nicht jeder. 90 Jahre, in denen viel erlebt wurde. 90 Jahre, in der die Bewahrung durch Gottes Gnade erlebt werden konnte.<\/p>\n<p>Was ist da meine kurze Zeit, mein Erleben mit dir? Wie mag es anderen gehen, die sicher eine l\u00e4ngere Zeitspanne mit dir erlebt haben? Meine Zeit mit dir begann 1999, als ich in den Kirchenkreis Zerbst kam. Unbedeutend.<\/p>\n<p>Andere erlebten ganz andere Zeiten mit dir. In der Familie, in der Kirche, in den Orten deines Wirkens als Pfarrer und Seelsorger. Und doch ist es so, dass es nicht jedem verg\u00f6nnt ist, einen 90. Geburtstag zu feiern und schon von daher dieses Jubil\u00e4um ein Gnadenjubil\u00e4um ist. wof\u00fcr wir Gott nur dankbar sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sicher, es soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dein segensreiches Wirken in unserem Kirchenkreis. Pfarrer von St. Nikolai Zerbst, 1955 dann in Niederlepte t\u00e4tig. Ab 1987 die Pfarrstelle Wertlau. Ab 1976 zus\u00e4tzlich Landesbeauftragter f\u00fcr die M\u00e4nnerarbeit unserer Landeskirche. Deine Arbeit mit den Schlesiern. 38 Jahre insgesamt warst du in unserer Landeskirche und in unserem Kirchenkreis als Pfarrer t\u00e4tig. Daf\u00fcr danke ich dir herzlich im Namen deines Kirchenkreises Zerbst.<\/p>\n<p>\u201eJesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehre umtreiben, denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade\u201c, lesen wir im Hebr\u00e4erbrief.<\/p>\n<p>\u201eJesus Christus gestern.\u201d Lieber Heinz, liebe Gemeinde, Gestern. Vergangenheit. Woran erinnern wir uns? Wir heben manches in Bildern unserer Erinnerung auf. Erschreckende oder erfreuliche Bilder. Auch in deinem Leben. Deine Erfahrungen in Kindheit, Jugendzeit, Kriegszeit, Nachkriegszeit. Mit all den Irrungen auch.<\/p>\n<p>Und doch: Jesus Christus gestern. Unser Text meint: Kein Augenblick meiner Vergangenheit war ohne IHN. ER war da, vielleicht ganz unbemerklich. ER war da und hat dich gesehen, wie man sich sehr auch verstecken oder verstellen mochte. ER kannte dich bis auf den Grund. Und er war gr\u00f6\u00dfer als unser Herz.<\/p>\n<p>Jesus Christus heute und derselbe auch in Ewigkeit. Der Blick geht nach vorn, als w\u00e4re da schon etwas von der Zukunft zu sehen. Was wird sein? Und wie geht es mit dir uns weiter? Was auch immer kommen mag, ER wird auch dort sein. Ja, ER war auch da in den Zeiten deines und unseres Lebens, wie ER jetzt mit dir und uns ist.<\/p>\n<p>ER leitete dich, mich und uns, dessen bin ich gewiss, und daran will ich festhalten, darauf vertrauen. Christus, der unser und dein Leben im Blick hat. Was auch geschieht, ER wird da sein. Was mir auch widerf\u00e4hrt, ER ist an meiner Seite.<\/p>\n<p>Weiter schreibt Paulus: &#8230;denn es ist kein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde&#8230; Heute, an deinem Jubil\u00e4umstag, lieber Heinz, mag dein Herz fest sein. Fest im Glauben und fest im Vertrauen auf Gottes Gnade. Das w\u00fcnsche ich dir. &#8230; denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade&#8230; so schreibt Paulus weiter. Gnade \u201ebefestigt\u201d das Herz. Durch Gottes Gnade empfangen Menschen ein festes Herz, dass sie Liebe und Freundlichkeit verstr\u00f6men, dass sie von Herzen schenken und sich anderen zuwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jesus hat von der Gnade und G\u00fcte Gottes gesprochen, sie zu den Menschen gebracht und sie gelebt &#8211; wie wir es mit den Worten des 103. Psalms gebetet haben: \u201eBarmherzig und gn\u00e4dig ist der HERR, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte\u201d. &#8211; Gnade im Hebr\u00e4erbrief meint sehr konkret: Gott wendet sich uns in Jesus Christus zu. Und Gnade wird vielf\u00e4ltig erlebt.<\/p>\n<p>Lieber Heinz, ich w\u00fcnsche dir zu deinem Jubil\u00e4um, dass du in der Gnade Gottes leben kannst. Ich w\u00fcnsche dir, dass unser HERR dir weiterhin gute Zeit schenken m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Jesus Christus &#8211; dieser Name steht daf\u00fcr, dass Gott bei uns, bei dir ist. Gott wei\u00df Mittel und Wege, mit uns &#8211; mit dem, was gestern war und heute ist &#8211; weiterzugehen. Amen<\/p>\n<p>Nach einem feierlichen \u201eGro\u00dfer Gott, wir loben dich\u201c wurde die Andacht mit einem Segen und gemeinsamen \u201eVater Unser\u201c beendet.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurden in einem Nebenraum der Kirche Gratulationen und W\u00fcnsche ausgedr\u00fcckt, Blumen und Geschenke von G\u00e4sten und von verschiedenen Institutionen, Schulkindern, Freunden und Bekannten aus Fern und Nah \u00fcberreicht. Pater Arndt gratulierte dem Jubilaren im Namen der Deutschen in Breslau.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der nachfolgenden feierlichen Begegnung stellte Pastor Lische seine Erlebnisse vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Bericht eines Schlesiers aus der Evangelischen Landeskirche Anhalts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">von Heinz Lischke<\/p>\n<p>Als Vikar traf ich am 5. April 1954 von Wittenberg kommend in meiner k\u00fcnftigen Wirkungsst\u00e4tte Zerbst ein. Bei der Wohnungssuche gab mir ein SED-Genosse der damaligen \u201eWohnraumlenkung\u201c zu verstehen, dass zum Aufbau des Sozialismus in Zerbst keine Pastoren ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Nach diesem nicht gerade freundlichen Empfang bekam ich jedoch eine Unterkunft in der Oberpfarre auf der Schlossfreiheit, und von der dortigen Gemeinde wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Ich bekam auch bald Kontakt mit der Landeskirchlichen Gemeinschaft am Ort und deren damaligem Leiter, dem aus Waldenburg stammenden Schlesier, Karl K\u00f6hler.<\/p>\n<p>F\u00fcr meine weitere Entwicklung war das Erlebnis der Gemeinschaftsfr\u00f6mmigkeit und die wachsende Freundschaft mit dem leitenden Bruder von besonderer Bedeutung. Ich habe sp\u00e4ter immer wieder die Beobachtung machen k\u00f6nnen, dass durch die Fr\u00f6mmigkeit der Schlesier und der Gemeinschaftsleute viel W\u00e4rme in die sonst so kalte Kirchenlandschaft Mitteldeutschlands getragen wurde.<\/p>\n<p>Anfang der sechziger Jahre hatte ich eine Landparochie im Vorfl\u00e4ming zu verwalten. In allen drei Gemeinden gab es Ostfl\u00fcchtlinge, darunter viele Schlesier, evangelische und katholische. Wenn ich am Sonntagmorgen nach meinem ersten Gottesdienst im Pfarrdorf zum Filialort unterwegs war, kam mir von dort von seiner ersten Messe der katholische Amtsbruder entgegen. Er stammte aus dem Sudetenland und wurde mit seiner Schwester ganz selbstverst\u00e4ndlich zu den geselligen Zusammenk\u00fcnften von vier befreundeten evangelischen Pfarrerehepaaren eingeladen, die sich als Nachbarn in dieser Gegend kannten. Auch der katholische Pfarrer wusste von einem hohen Prozentsatz von Fl\u00fcchtlingen und Vertriebenen in seinem Pfarrsprengel zu berichten. Aus dem Filialort Dobritz wird mir ein durch Schlesier besonders gepr\u00e4gtes Erlebnis in Erinnerung bleiben: An einem schw\u00fclhei\u00dfen Sommernachmittag war auf dem dortigen Friedhof die Bestattung eines aus Schlesien stammenden Gemeindegliedes vorgesehen. W\u00e4hrend der Trauerfeier in der Friedhofskapelle setzte ein gewaltiges, langandauerndes Gewitter ein. Die Feier war bereits vor\u00fcber und der Segen gesprochen. Doch wir trauten uns nicht in das schreckliche Unwetter hinaus. Da stimmten pl\u00f6tzlich von sich aus einige Gemeindeglieder jene zu Herzen gehenden Sterbelieder an, die fr\u00fcher so oft in unserer schlesischen Heimat gesungen wurden: \u201eWo findet die Seele die Heimat, die Ruh\u201c, \u201eBrich herein s\u00fc\u00dfer Schein seliger Ewigkeit\u201c, \u201eLasst mich gehen, lasst mich gehen, dass ich Jesum m\u00f6ge sehen\u201c, \u201eSo nimm denn meine H\u00e4nde\u201c und noch etliche andere. Diese Lieder wurden von den meisten auswendig gesungen. Als der Liedervorrat ersch\u00f6pft war, hatte sich auch das Unwetter ausgetobt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlicherweise ist es mir einige Jahre sp\u00e4ter ergangen, als ich Pfarrer in Dessau-Alten war. Zu meinem Bereich geh\u00f6rte das Filialdorf Reppichau. Dieses war nur \u00fcber Mosigkau bzw. Elsnikg zu erreichen. Ich bew\u00e4ltigte damals meine Wege mit einem Motorroller. An einem besonders kalten Wintersonntag war jedoch so viel Schnee gefallen, dass motorisiert auf den Stra\u00dfen kein Durchkommen war. So versuchte ich, mit der Eisenbahn zu dem angesetzten Nachmittagsgottesdienst nach Reppichau zu kommen. Die Bahn fuhr auch p\u00fcnktlich und brachte mich bis Elsnigk. Von dort wollte ich zu Fu\u00df weiter. Doch hinter dem Ortsausgang erlebte ich eine b\u00f6se \u00dcberraschung. Die Stra\u00dfe war mit riesigen Schneewehen zugeweht. Ich versuchte es trotzdem und bewegte mich langsam durch den hohen Schnee stapfend auf meinen Zielort zu. Unterwegs \u00fcberlegte ich mir die M\u00f6glichkeit, dass die Gemeinde die Kirche bereits verlassen haben k\u00f6nnte, denn die Versp\u00e4tung erschien mir gar zu gro\u00df. Schlie\u00dflich h\u00f6rte ich Gesang aus der Kirche dringen, als ich gerade den Friedhof erreichte. Da fiel mir ein Stein vom Herzen. Es war unsere schlesische Kirchen\u00e4lteste, Frau Hahm, die mit der Gottesdienstgemeinde ein Lied nach dem anderen bis zu meinem Eintreffen sang. Sie ist sp\u00e4ter eine zuverl\u00e4ssige Lektorin geworden.<\/p>\n<p>Schlesiern bin ich in meiner fast 40-j\u00e4hrigen Pfarramtsf\u00fchrung immer wieder begegnet, sei es in der Pfarrerschaft, in der Landessynode, im Landeskirchenrat, in den Gemeindekirchenr\u00e4ten und den verschiedenen Gemeindekreisen, wie Frauenhilfe, M\u00e4nnerwerk oder anderen Arbeitskreisen. Zum Evangelischen Landeskirchenrat f\u00fcr Anhalt geh\u00f6rte ab 1963 Oberkirchenrat Werner Gerhard, als Sohn des Pfarrers Johannes Gerhard in Hochkirch bei Liegnitz geboren.<\/p>\n<p>Aber auch vielen einfachen schlesischen Mitarbeitern bin ich in den Kirchengemeinden begegnet. So z.B. dem alten K\u00fcsterehepaar Adam aus Dobritz, an dessen goldene Hochzeit ich mich noch gut erinnere.<\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt im Gemeindeleben der Fl\u00e4mingd\u00f6rfer war immer wieder die Feier der goldenen Konfirmation. Auch hieran hatten die Schlesier ihren Anteil. Zu jeder Kaffeetafel geh\u00f6rte selbstverst\u00e4ndlich schlesischer Streuselkuchen.<\/p>\n<p>Mit den in Niederschlesien verbliebenen deutschen evangelischen Gemeinden kam ich erstmals im August 1964 in Ber\u00fchrung und durfte nach 20-j\u00e4hriger Abwesenheit meine Heimatstadt Breslau wiedersehen. Bei dieser Reise lernte ich das damalige K\u00fcsterehepaar Ryster von der Christophorigemeinde und die Organistin und Chorleiterin Doris Weyen kennen. Von nun an fuhr ich fast j\u00e4hrlich nach Schlesien, auch mit meiner Familie. In dieser Zeit entstanden Freundschaften, die bis heute Bestand haben.<\/p>\n<p>Am 28. Mai 1967 durfte ich mit Erlaubnis des polnisch-evangelischen Bischofs Wantula, Warschau, in der Christophorikirche einen sehr gut besuchten Predigtgottesdienst halten.<\/p>\n<p>Zu Pfingsten 1972 fuhr ich erstmals mit der Zerbster Jungen Gemeinde nach Schlesien und erlebte einen Festgottesdienst in St. Christophori, zu dem sich Teilnehmer aus der Bundesrepublik, aus der DDR sowie der gastgebenden Gemeinde versammelt hatten. Unterkunft bekamen wir im Jugendheim Dom kultury, dem ehemaligen CVJM-Heim in der Taschenstra\u00dfe. Von dort aus konnten wir Schlesien erkunden, zuerst das Riesengebirge. In sp\u00e4teren Jahren durchfuhren wir das Eulengebirge, das Waldenburger- und Glatzer Bergland, die Trebnitzer H\u00f6hen und andere Gegenden. 1973 weiteten wir unsere Fahrt nach Oberschlesien, nach Krakau und nach Auschwitz aus. Unvergesslich wird mir die Abendandacht in der katholischen Lagerkapelle von Auschwitz bleiben, an der sich unser evangelischer Posaunenchor beteiligte, der zuvor schon im Hedwigskloster in Trebnitz geblasen hatte. Am Sonntag danach wirkte dieselbe Bl\u00e4sergruppe im Gemeindegottesdiest von St. Christophori in Breslau und in einem \u00fcberf\u00fcllten Jugendgottesdienst der polnisch-evangelischen Gemeinde in der ehemaligen reformierten Hofkirche mit.<\/p>\n<p>Die letzte Gemeindefahrt nach Schlesien konnten wir noch einmal im Mai 1979 unternehmen. Sie war uns durch beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahmen schon sehr erschwert worden. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde dann in der Volksrepublik Polen das Kriegsrecht verk\u00fcndet, so dass weitere geplante Fahrten zum Erliegen kamen. In den Jahren des politischen Umbruchs haben wir jedoch die Verbindung zu den Evangelischen in Schlesien weiter aufrecht erhalten. Nach der Wende kam Diakon Heinz Stumpe aus Neinstedt auf mich zu, ein geb\u00fcrtiger Breslauer und des gleichen Jahrgangs wie ich. Er fragte im Auftrag von Herrn Oberkirchenrat Klapper, Hannover, bei mir an, ob ich bereit w\u00e4re, gemeinsam mit ihm eine Gemeinschaft evangelischer Schlesier (GeS) in unserer mitteldeutschen Region ins Leben zu rufen. Ich war zu diesem Vorhaben gern bereit. So konnten wir nach meinem Eintritt in den Ruhestand die Gemeinschaft evangelischer Schlesier in Anhalt am 31.Oktober 1992 in Dessau gr\u00fcnden. Seit diesem Gr\u00fcndungstag kommt unsere Schlesiergemeinschaft meist dreimal im Jahr in Zerbst zu Gottesdiensten in schlesischer Liturgie oder zu Vortr\u00e4gen und geselligen Stunden zusammen. Der Kontakt zur evangelischen Christophorigemeinde in Breslau ist uns erhalten geblieben. Der dortige Pfarrer Borski hat bald nach der Wende in der Zerbster St. Bartholom\u00e4ikirche gepredigt, die unserer Gemeinschaft Gastrecht gew\u00e4hrte. Die Kollekten aus unseren Schlesiergottesdiensten und sonstigen Zusammenk\u00fcnften werden \u00fcberwiegend der evangelischen Gemeindearbeit in Niederschlesien zur Verf\u00fcgung gestellt. Im vergangenen Jahr kam das gesammelte Geld den Oder-Hochwassergesch\u00e4digten zugute. In den Schlesiergottesdiensten in Zerbst haben u.a. auch Kirchenpr\u00e4sident Klassohn, Dessau, und unser Vorsitzender, Dr. Schott aus Mainz gepredigt. Als lieben Gast vom Friedenshort in Miechowitz konnten wir Schwester Marta Grudke begr\u00fc\u00dfen. Auch aus den anderen Landesarbeitsgemeinschaften nehmen verschiedentlich G\u00e4ste an unseren Zusammenk\u00fcnften teil.<\/p>\n<p>Die Gemeinschaft evangelischer Schlesier in Anhalt h\u00e4lt gute Verbindung zum Schlesischen Heimat- und Freundeskreis Ro\u00dflau in der Nachbarschaft. Mit dieser Vereinigung haben unsere evangelischen Schlesier bereits an zwei Schlesienreisen 1996 und 1997 teilgenommen. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Ro\u00dflauer Kreis konnten Auff\u00fchrungen der \u201eBrieger Christnacht 1944\u201c in Coswig\/Anhalt, Ro\u00dflau, Zerbst und an anderen Orten erfolgen. Zuletzt hat der Zerbster Stadtchor das Drischner-Werk am 7. Dezember 1997 in Jever und im Dezember 1998 in Brieg, Prieborn und Breslau aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die GeS-Anhalt plant ihre Arbeit gemeinsam mit der GeS-Kirchenprovinz Sachsen und will diese Zusammenarbeit auch weiterhin beibehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">MAr<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Lischke stammt aus Breslau, 1927 wurde er hier geboren. Im Jahre 1944 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und im Jahr darauf gefangen genommen. In den folgenden Jahren, in den Lagern der Amerikaner und Russen vollzog sich in ihm die entscheidende Wende seines Lebens. 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